Archiv 2007: Die Say`eti – Teil 2 von 4

Heute kommt der zweite Teil der lange noch unfertigen Geschichte über die Say`eti. Viel Spaß!

Der Gesang war die ganze Zeit unmerklich lauter geworden. Nun schwoll er zu solch überraschender Stärke und Macht an, dass selbst Ta’quillus leicht zusammen zuckte. Ein paar Sekunden später kam aus dem Gebüsch vor ihnen eine Gestalt hervor gesprungen. Kurz vor ihnen stoppte sie und man konnte erkennen wer oder besser was es war. Ein gewaltiger Schatten von solch durchdringendem schwarz, dass es schien als wenn das Licht einfach geschluckt werden würde. Die aufrecht auf seinem Rücken sitzende Gestalt war noch sonderlicher. Es hätte einer von ihnen sein können, wären da nicht die riesigen Hände und Füße gewesen und die großen Ohren und Augen. Außerdem war die Hautfarbe nicht weiß, silbern oder golden sondern blau. Die Haare, die bis auf den merkwürdigen Tragesitz , der auf dem Schatten befestigt war, herunterhingen, waren von einem dunkleren schwarz als die Nacht. Atra’ritudo und Siro’sin waren verblüfft ob solcher Andersartigkeit. Sie ließen es sich allerdings nicht anmerken. Und ihre Mienen blieben starr. Ein Wind kam auf, der die Haare des Geschöpfes hoch wehte. Der Schatten ließ sich auf dem Boden nieder und die Gestalt stieg ab. Sie trug einen langen wasserblauen Mantel, darunter kamen ein merkwürdig geschnittenes Kettenhemd und eine schwarze Hose zum Vorschein. Die Augen waren zwar schwarz aber ein seltsames Glitzern war ihn ihnen zu erkennen. Jetzt wo die Gestalt stand sahen die drei, dass sie mehr als einen Kopf kleiner war als sie selber. Das war ihnen gar nicht aufgefallen, da das Reittier so groß war. Langsam legte sich der Wind und Mantel und Haare umhüllten die Gestalt wieder.
„Lu To’inis! Ses’e go’e Cantare. Tre’en re’e’iv Go’e Ta’quillus Se’Roumt Macis’vite’e.“, sagte Cantare. Sie sprach die alte Sprache der Si’lanu. Da Ta’quillus mit der Sprache aufgewachsen war und Siro’sin und Atra’ritudo sie von den Älteren gelernt hatten, verstanden sie alles. Doch dann sagte Cantare zu Atra’ritudos und Siro’sins Verwunderung:
„Ich musste, dass sagen. Man hat mir befohlen wenigstens den ersten Satz in unserer Sprache zu sprechen, damit ich merke ob ich euch vertrauen kann. Aber, da Ta’quillus bei euch ist kann ich mir und euch den Rest ersparen. Seid gegrüßt Atra’ritudo Se’Roumt Aris’priscum und Siro’sin Se’Roumt Bor’lidus.“
Cantare sprach alles korrekt und übergenau aus. Und das verwunderte Atra’ritudo und Siro’sin noch mehr und allmählich sah man ihnen dies auch auf ihren Gesichtern an. Ta’quillus jedoch sah etwas vergnügt auf Cantare hinunter.
„Ich kann es kaum glauben, dass du noch alles behalten hast was ich dir beibrachte. Aber eigentlich hatte ich gar nichts anderes erwartet. Du warst doch immer so fleißig dabei andere Sprachen zu lernen. Es freut mich sehr dich wiederzusehen. Und wie du dich verändert hast. Du musst ja inzwischen schon fast vierhundertundvierzig Jahre alt sein. Und damals warst du noch ein Kind. Gerade mal achtzehn Jahre zähltest du. Ich muss sagen, ich bin stolz auf dich, meine Liebe Cantare.“
Nach dieser Rede sah es für Atra’ritudo so aus, als ob Cantare etwas lila geworden wäre. Und das noch in diesem Alter. Ta`quillus musterte Cantare weiter und merkte, dass diese sich noch wegen etwas anderem unwohl fühlte. Wachsam ließ er seine Sinne schweifen. Dann schlug Siro’sin vor sich doch ans Feuer zu setzen. Das taten sie dann auch, wobei sich Cantare zwischen Ta’quillus und Atra’ritudo setzte.
„Also. Was sagen die Si’lanu zu Aris’priscums Vorschlag?“, fragte Ta’quillus. „Wollen sie sich wieder mit uns verbünden, um die Prophezeiung zu erfüllen? Oder haben sie einen anderen Plan?“
Während er sprach, hatte er in weiter Entfernung etwas aufgespürt, was nicht da sein sollte. Er hob die Augenbrauen ganz leicht, doch Cantare sah ihn nicht an. Sie schien noch verlegener als vorhin, als er sie gelobt hatte.
„Die Sache ist die, dass man mich geschickt hat um zu sehen wie ernst es Aris’priscum mit diesem Vorschlag ist. Da er seine zweite Tochter Atra’ritudo und dich Ta’quillus geschickt hat und noch dazu den einzigen Sohn seines Freundes Bor’lidus, muss ich sagen, dass es ihm wohl sehr ernst ist. Keiner der Si’lanu hat damit gerechnet. Wir dachten, wenn überhaupt schickt er einen seiner Qu’es und einen Trupp Si’lem. Deshalb muss ich gestehen, dass auch ich nicht alleine gekommen bin. Mein Herr, Dominari, hat mich von ein paar Kriegern begleiten lassen, auch wenn ich der Meinung war und bin, dass mich Opaka genügend schützten könnte.“ Sie lächelte knapp und zeigte auf den Schatten. „Ich glaube, dass Versteckspiel ist vorbei, oder? Nun ich werde die Krieger rufen. Sie sollen sich zeigen, denn wie es aussieht werden wir wohl wieder Verbündete werden, wenn ihr unsere bescheidenen Bedingungen erfüllt.“
Cantare erhob sich und ging auf das nächste Gebüsch zu. Sie hob eine Hand und man sah ein Licht aufblitzten, sie schien eine einzelne Flamme auf der Hand zu tragen. Nun schlug sie sich mit der freien Hand einen Weg durch das Dickicht. Bald war nur noch ihr hierhin und dorthin hüpfender Schatten zu sehen. Dann verschwand auch dieser.

Fortsetzung folgt.

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