Archiv 2007: Die Say`eti – Teil 1 von 4

Heute wieder eine Geschichte von meiner Festplatte. 2007 geschrieben, ist es nur der Anfang der Erzählung von einer Welt, für die es auch ein bisschen Geschichte gibt. Bei Zeiten werde ich das ganze überarbeiten und weiterführen. Vor allem das Lied gefällt mir heute so nicht mehr.
Es handelt von einem alten Volk, dass Ähnlichkeit zu Elfen oder Elben hat. Genannt habe ich sie die Say`eti, was Jahrhunderte altes Wissen bedeuten soll. Hier aber erstmal der erste Teil.

Der Morgen graute schon als Atra’ritudo die Augen zum Himmel hob und leise nach ihren Gefährten rief.
„Ta’quillus, Siro’sin kommt und seht. Der Himmel wird schon hell. Jeden Augenblick könnten sie ankommen.“
Die beiden benannten erhoben sich vom Feuer und gingen leise auf Atra’ritudo zu. Sie stand auf einem kleinen Hügel einige Meter vom Feuer entfernt. Die Augen immer noch auf den Himmel gerichtet, summte sie leise eine fremdartig klingende Melodie vor sich hin. Ta’quillus und Siro’sin stimmten mit ein und man konnte ihr Summenweit durch die Nacht hören. Es war als würden ihre Stimmen den Sonnenaufgang beschleunigen und als die Sonne müde über den Wald, in dem sie standen, ihre Strahlen schickte, fing Atra’ritudo an zu singen. Ihre Stimme schwankte zwischen Melancholie und Freude, doch beides spiegelte sich nicht auf ihrem Gesicht wieder. Ihre Miene blieb unverändert ausdruckslos.

„Plu’soliae sang,
der Tag noch grau,
die Wiesen nass,
die Stimme traurig rau.

Er fehlte ihr
der Tarel’ius,
sein lieblich Angesicht,
sein allerliebster Kuss.

Verließ er sie
In Dunkelheit,
ohne welchen Gruß,
ließ sie in Einsamkeit.

Sie schrie und klagte
Bitterlich,
doch hätt’ es ihn gestört?
Er liebt und liebte neuerlich
Ohne Gram und unerhört.

Ihr Leben blass,
die Liebe weg.
Den Tode wollte sie.
Doch Rettung nahte keck.

Ein junger La’osu
Genannt Auq’careum
Lief durch dunklen Wald,
Fast die Zeit war um.

Der Blumen Gift
nimmt Plu’soliae.
Doch gerannt er kommt
Braucht keine Jahre.

Sie schrie und klagte
Bitterlich,
doch hätt’ es ihn gestört?
Er liebt und liebte neuerlich
Ohne Gram und unerhört.“

Gerade als Atra’ritudo die nächsten Strophen singen wollte, hörte Ta’quillus auf zu summen. Er hob die Hand woraufhin Atra’ritudo und Siro’sin ebenfalls verstummten. Dann schloss Ta’quillus die Augen und lauschte. Er hörte etwas. Schon seit mehreren Jahrhunderten hatte er es nicht mehr gehört. Da sang noch jemand. Aber so leise und tief, dass weder Atra’ritudo noch Siro’sin etwas hören konnten. Doch Ta’quillus verstand jedes Wort, auch wenn es sehr lange her war, dass er die Melodie gehört und die Sprache vernommen hatte. Die Stimme sang von Verlust und Wiederfinden und von langen Jahren des Wartens auf den erneuten Krieg zwischen den Völkern. Es klang eine traurige Sehnsucht aus dem Lied. Die Stimme wurde langsam lauter und endlich konnten auch Atra’ritudo und Siro’sin hören was gesungen wurde. Doch anderes als er, verstanden sie nicht alles was gemeint war. Sie waren noch zu jung um alles zu verstehen. Mit ihren knapp 300 Jahren in seinen Augen fast noch Kinder. Er, der schon seit mehr als eintausend Jahren unter der Sonne wandelte, gehörte allerdings in seinem Volk selber noch zu den Jüngeren. Der Älteste von ihnen allen war mit seinen fünfzehntausend Jahren das Älteste Geschöpf auf Erden und auch das Mächtigste. Trotzdem musste er auf die Menschen wie ein Mann Mitte vierzig wirken. Ta`quillus merkte, dass er bei dem Gedanken an seinen Gebieter Aris’priscum, Atra’ritudo ansah. Ihre Gesichtszüge glichen denen ihres Vaters so vollkommen, dass er ihn zu sehen glaubte. Plötzlich sah Atra’ritudo ihm in die Augen.
Ta’quillus, sieh mich nicht so an. Sag mir, weißt du wer es ist den sie uns da schicken? Es hört sich doch so an als würde es nur eine Person sein.
Er hörte ihrer Frage, die durch seinen Kopf hallte, gebannt zu.
Ich weiß nicht, warum es nur eine Person ist. Aber, ja. Ritu, ich denke, dass es Cantare sein wird. Ich habe sie zwar seit vielen hundert Jahren nicht mehr gesehen und gehört, aber ich würde ihre Stimme immer wiedererkennen. Sie ist eine der Älteren der Si’lanu. Auch wenn ihr Alter nicht an das deines Vaters herankommt. Bei weitem nicht.
Er brach die Gedankenverbindung ab und Atra’ritudo war sich fast sicher ein leichtes Lächeln in seinen Augen zu sehen. Dann mischte sich Siro’sin in ihr stummes Gespräch ein. Er hatte gemerkt, dass die beiden ihre Gedanken austauschten. Ihr Blick, der die Augen des jeweils anderen nicht aus den Augen gelassen hatte, hatte sie verraten. Er sah auf das silbrig, weiße Gesicht Atra’ritudos und blickte in ihre erstaunlichen hellblauen Augen. Doch als er sprach tat er dies laut, damit auch ihr Gefährte Ta’quillus es hören konnte.
„Vielleicht sollten wir nicht hier oben auf dem Hügel stehen, wenn es wirklich Cantare ist. Man kann uns von überall aus sehen und auch hören. Wir sollten lieber zum Feuer gehen.“
Atra’ritudo nickte kaum merklich mit dem Kopf und alle drei gingen sie den Hügel hinunter und zum Feuer.

Fortsetzung folgt.

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