Der Mond steht schon hoch am Himmel, als es für Finja endlich ins Bett geht.

Teil 22: Die letzten Stunden in Flusswald

Nach dem Gespräch mit Camilla und Faendal ging Finja zurück zur Hütte von Alvor und Sigrid. Alvor arbeitete in seiner Schmiede. Seine Tochter Dorthe stand dort mit ihm und durfte hin und wieder den Hammer schwingen. Die beiden sahen sehr zufrieden aus. Finja wollte schon in die Hütte gehen, da bemerkte Alvor sie und winkte sie heran.
„Dorthe wird einmal die berühmteste Schmiedin von ganz Himmelsrand sein, wenn Sie weiter so viel übt! Könnt Ihr schmieden?“
„Leider nein. Aber ich würde es gerne lernen.“, sagte Finja hoffnungsvoll. Alvor strahlte:
„Dann kommt her, mit Dorthes Hilfe kann ich Euch das wichtigste Beibringen.“ Nun strahlte auch Dorthe, und Finja verbrachte den Rest des Nachmittages damit, die Grundlagen der Schmiedekunst zu lernen. Am Ende besaß sie einen geschliffenen Eisendolch und einen gehärteten Lederhelm. Alvor schenkte ihr beide Sachen, als Erinnerung.  Langsam wurde es dunkel, und Hadvar kam heraus, um sie alle zum Essen zu holen.
Als sie am gedeckten Tisch saßen, es gab eine heiße Kartoffelsuppe, sagte Sigrid zu Dorthe:
„Weißt du, Dorthe, mit dem ganzen Gemüse was ich gerade anbaue, dachte ich, dass wir vielleicht einen wundervollen Eintopf machen könnten. Was meinst du?“ Dorthe rutschte auf ihrem Stuhl hin und her, als sie antwortete:
„Wow. Ja, dass hört sich toll an, Mutter. Aber, ähm… Es ist nur so…“ Doch Sigrid unterbrach sie:
„Shors Knochen! Es gibt Dinge die Frauen wie wir tun sollten, Dinge die unsere Pflicht sind. Wir haben doch schon darüber gesprochen…“
„Ich weiß, es ist nur so, dass Papa mit versprochen hat, dass ich etwas an der Schmiede herstellen darf. Es tut mir leid, Mutter. Ich kann ja nichts dafür, aber die Dinge, die du tun möchtest sind einfach so …. Langweilig.“ Vorsichtig sah Dorthe zu ihrer Mutter auf. Sigrid zog die Brauen zusammen und sah finster ihren Mann an. Doch der sagte schnell:
„Also.. Haltet mich da raus.“
„Nun, ich sehe, dass dein Vater und ich uns darüber unterhalten müssen. Und wenn wir das machen, dann werden sich die Dinge ändern!“ Wütend sah Sigrid zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter hin und her. Hadvar hob die Stimmung auch nicht besonders, als er verkündete, dass sie beide morgen in aller Frühe aufbrechen würden.
„Finja geht nach Norden, direkt nach Weißlauf um mit Jarl Balgruuf zu sprechen, und ich werde zuerst nach Süden gehen, Richtung Helgen, dann um den Ilinaltasee herum und wieder nach Norden, bis nach Einsamkeit. Wenn jemand überlebt hat treffe ich ihn am ehesten dort entlang.“
„Braucht Ihr noch Verpflegung? Dann wird Sigrid euch gleich etwas zusammenpacken.“, fragte Alvor.
„Das können wir wohl beide gebrauchen.“, sagte Hadvar und Finja nickte.
„Und wie sieht es mit Campingausrüstung aus? Ich hätte ein Zelt und eine Schlafrolle und solche Dinge.“, sagte Hadvar.
„Oh.“ rief Finja erstaunt. „Daran habe ich ja noch gar nicht gedacht. Beim Drachenangriff sind alle meine Sachen in Helgen geblieben.“ Alvor nickte ihr zu und sagte:
„Gut, dann kannst du die Sachen haben. Wie sieht es mit dir aus Hadvar? Konntest du deine Ausrüstung mitnehmen?“ Hadvar nickte.
„Ja, ich habe mein Bündel immer dabei. Selbst bei einem Drachenangriff.“ Er lachte.
Als alles für den morgigen Aufbruch bereit stand, war es schon spät und Finja sehr müde. Sigrid hatte für sie und Hadvar jeweils ein Feldbett bereitgestellt.
Finja legte sich ins Bett und war fast sofort eingeschlafen. Ein sehr langer Tag ging zu Ende, da sie die vorige Nacht nach dem Überfall der Kaiserlichen im bewusstlosen Zustand verbracht hatte, was nicht erholsam gewesen war.

Fortsetzung folgt…

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