In der Dorfmitte

Teil 20: Sven, der Unsympath

„Also, Ihr und Faendal mögt wohl dieselbe Frau?“, fragte Finja, da Sven wohl mehr von ihr zu erwarten schien.
„Camilla Valerius weiß, dass ich der beste Mann in Flusswald bin.“ Sven lachte selbstgefällig. „Dieser Elf macht sich etwas vor, wenn er denkt, sie würde ihn mir vorziehen. Ich habe ihn zum Flusswald Handelskontor hinüberschleichen sehen, um mit ihr zu sprechen, wenn ich nicht in der Nähe bin. Er vergeudet seine Zeit.“

„Naja. Ohne das Menschen Zeit miteinander verbringen, erblühen nie zarte Liebesgefühle.“, sagte Finja, und musste ein Grinsen unterdrücken, vor allem als Sven die Stirn runzelte. Irgendwie mochte sie diesen selbstverliebten Kerl nicht.
„Soll das Sarkasmus sein? Da habe ich ja schon bessere Sprüche von Orgnar gehört.“ Sven sah sie etwas verärgert an. Doch dann seufzte er. „Aber vielleicht habt Ihr Recht. Dass Camilla zulässt, dass Faendal sie besucht, bedeutet für mich nichts Gutes. Kommt mit, ich gebe Euch einen richtig giftig geschriebenen Brief. Sagt ihr, er sei von Faendal. Das dürfte Camilla davon abhalten, den Elf zu sich einzuladen.“ Dann zog er sie hinter sich her, zum Haus am Dorfanfang hin. Vor Finjas Augen, direkt auf der Terrasse schrieb er den Brief, drückte ihn dann Finja in die Hand, und verschwand im Haus. Finja sah im ungläubig hinterher. Er glaubte doch nicht ernsthaft, dass sie das für ihn tun würde. Und die paar Worte, die sie über seine Schulter hinweg hatte lesen können, machten es nur noch schlimmer. Sie hatte gelesen: „..werde niemals meine Blutlinie verunreinigen..“. Als Kind von Himmelsrand, sie die in vielen verschiedenen Ländern aufgewachsen war, sie die die unterschiedlichsten Völker kennengelernt hatte, würde sie keinen Rassismus unterstützen. Entschlossen steckte sie den Brief in die Tasche und wandte ihre Schritte in Richtung des Flusswald Handelskontors. Sie öffnete die Tür und hörte sofort laute, streitende Stimmen von drinnen.
Eine Frau sagte:
„Nun, einer von uns muss etwas tun!“ Darauf rief die erboste Stimme eines Mannes:
„Ich habe Nein gesagt! Kein Abenteuer, kein Drama, keine Diebesjagd!“
„Na, was wollt Ihr denn tun, hm? Sagt doch mal!“, fragte die Frau spöttisch.
„Zu diesem  Thema haben wir uns nichts mehr zu sagen.“, sagte der Mann kurz. Dann erschrak er, als er bemerkte, dass die Tür leicht geöffnet war. Finja trat ein. „Oh, ein Kunde. Es tut mir leid, dass Ihr das mit anhören musstet.“, sagte er unangenehm berührt.
„Ist etwas passiert?“, fragte Finja, obwohl sie die Antwort ja eigentlich schon kannte. Immer noch sichtlich unbehaglich, sagte der schwarzhaarige Bretone:
„Ja, es gab eine Art … Einbruch.“, er zögerte, dann sagte er schnell, „Aber wir haben immer ein reichhaltiges Warenangebot. Die Einbrecher hatten nur eins im Sinn. Ein Ornament aus massivem Gold. In Form einer Drachenklaue.“ Er stockte erneut, dann sagte er traurig: „Es war ein Familienerbstück, eigentlich das Wahrzeichen unseres Ladens.“ Mit seinen dunklen, traurigen Augen sah er sich um.
„Ich kann, wenn Ihr möchtet danach Ausschau halten. Ich habe vor in Himmelsrand herumzureisen, wenn ich unterwegs darauf stoßen sollte, bringe ich es Euch.“ Ein bisschen hellten sich seine Augen auf, als sie das sagte.
„Wirklich? Ich habe noch etwas Geld von meiner letzten Lieferung zu bekommen. Es gehört Euch, wenn Ihr mir meine Klaue zurückbringt.“

Fortsetzung folgt…

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