Links ist das Ödsturzhügelgrab zu sehen.

Teil 19: Sven, der Frauenheld

Warum war Orgnar so unverschämt gewesen? Eigentlich hatte sie ihm doch nichts getan. Nur ein paar Fragen gestellt. Finja setzte sich auf eine Bank, die vor dem ‚Schlafenden Riesen‘ stand. Sie wollte sich ihre gute Laune, nach der gelungenen Flucht nicht vermiesen lassen. Und das Glücksgefühl, dass sie verspürte seit sie das erste Mal, nach Helgen, ihr Heimatland gesehen hatte. Sie sah sich um. Direkt vor ihr, aber ein Stück hinter dem Dorf lagen zwei Berge. Der linke war niedriger als der Rechte und lag einige Stunden Fußmarsch entfernt. In ihm war das Ödsturzhügelgrab, von dem Hadvar erzählt hatte das alle Angst davor hätten.  Das konnte sie im Moment nicht verstehen, da die Nachmittags-Sonne darauf schien, und die Ruinen auf dem hohen Berg einfach nur majestätisch aussahen. Auch waren die Geräusche, die sie hörte, in keinem Fall bedrohlich. Die Dorfbewohner gingen ihrer täglichen Arbeit nach und hin und wieder waren Stimmen zu hören. Die Vögel zwitscherten und leise nahm sie auch den Wind war, der in den Baumwipfeln hinter den Häusern rauschte.
Finja seufzte. Dann stand sie auf und machte sich auf den Weg den Rest des Dorfes zu erkunden. Bevor sie das Flusswald Handelskontor aufsuchte ging sie erstmal den Weg hinter das Gasthaus entlang. Hier gab es einen kleinen Gemüsegarten mit Lauch und Kartoffeln links des Weges und ein Stück weiter und rechts stand ein Wohnhaus, in dessen eingezäuntem Garten drei große, wollige Kühe grasten und ein paar Hühner gackerten. Dahinter gab es noch ein Wohnhaus, ebenfalls mit eigenem Garten, in dem wiederum Kohl und Lauch wuchsen. Überall standen Blumen und in dem Gemüsegarten rechts sah sie Dorte mit einem Jungen und einem Hund spielen. Als sie den Weg weiterging kam sie an eine Wachbrücke und hatte damit das Ende des Dorfes erreicht. Sie blieb stehen und lauschte wieder auf die Geräusche. Sie hörte Dorte sagen:
„Warte, du meinst ein Kostüm? Das kannst du nicht ernst meinen…“ Und der Junge, anscheinend Frodnar, antwortete:
„Klar meine ich das ernst! Wir holen Fell und Zweige und malen die weiß an, dann binden wir sie an Stump. Sofort haben wir eine Frostbissspinne!“ Finja konnte ein glucksen nicht unterdrücken. Frodnar schien nur Unsinn im Kopf zu haben. Dorte war da wohl eher die Realistin, sie sagte:
„Frodnar… Keiner wird deinen Hund für eine Frostbissspinne halten… Und wenn sie es doch tun… Dann werden sie ihn töten. Das ist kein guter Streich!“ Finja ließ die beiden Kinder bei ihrer Diskussion zurück und begab sich wieder auf die Hauptstraße, wenn man diese so nennen konnte. Dort traf sie auf einen braunhaarigen Mann, der sofort auf sie einzureden begann:
„Faendal glaubt, er kann mir Camilla Valerius abspenstig machen. Aber sie ist bereits mein, wie ich ihm immer wieder erklärt habe.“ Dann musterte er sie und meinte: „Ihr seht aus, als wärt Ihr auf Reisen. Jemand, der ferne Orte gesehen und neue Geschichten gehört hat.“ Etwas verwirrt sah Finja ihn an. Warum sagte er ihr so etwas? Er hatte sich nicht einmal vorgestellt. Doch da Orgnar ihr von dieser Dreiecksgeschichte erzählt hatte, nahm sie an, dass es sich hier um Sven handelte.
„Ahm… Hallo erstmal. Ich nehme an, Ihr seid Sven?“, fragte sie, nur um sicher zu gehen.
„Ja, der bin ich.“, antwortete Sven und sah sie erwartungsvoll an.

Fortsetzung folgt…

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