Delphine wacht hier über alles

Teil 18: Der blaue Delphine

Finja ging weiter durch den Schankraum des ‚Schlafenden Riesen‘. An eine der vielen Säulen, die die Stabilität des Hauses verbesserten, war ein Zettel geheftet. Das Gesicht eines Mannes war darauf skizziert. Darunter standen sein Aufenthaltsort und noch, dass das Geld bei Proventus Avenicci abzuholen sei.
„Was hat es hiermit auf sich?“, fragte Finja den Wirt Orgnar. „Das ist ein Beutebrief. Ein paar Männer des Jarl sind vorbeigekommen und haben den hiergelassen. Tötet diesen Banditenanführer, und die Belohnung gehört Euch. Ihr findet diese Beutebriefe in jeder Herberge in Himmelsrand.“
„Warum kümmern sich nicht die Wachen darum?“, fragte Finja verwirrt.
„Wir befinden uns im Krieg, die Wachen haben keine Zeit dahergelaufenen Banditen hinterher zu jagen. Außerdem gibt es in Himmelsrand genug Abenteurer und Söldner, die gerne ein bisschen Gold verdienen, und damit noch die Welt von diesem Gesindel befreien.“, sagte Orgnar und musterte Finja misstrauisch, ob ihres Unwissens.
Noch einmal sah sie sich im Schankraum um. An den Wänden standen mehrere Tische an denen man bestimmt sehr gemütlich zusammensitzen konnte. Sie alle waren gedeckt mit Geschirr und auch einigen Broten. Im Moment war allerdings niemand hier, wahrscheinlich arbeiteten alle zu dieser Tageszeit.
Dann wandte Finja sich dem Nebenraum zu, in dem die Frau verschwunden war. Die Tür stand offen und sie trat ein, da Orgnar, der sich von ihr abgewandt hatte, keine Anstalten machte sie aufzuhalten. Dort stand ein Bett an der Wand, sowie ein Tisch auf dem Essen als auch Geld und ein Dolch lagen. Dann gab es noch einen Schrank und mehrere Beistelltischchen. Die Frau im blauen Kleid stand am Tisch und drehte sich zu Finja um, als diese eintrat. Finja sah erst jetzt, dass sie ein Kurzschwert umgegürtet hatte. Nun doch etwas unsicher sagte Finja:
„Hallo. Ich bin Finja, und wer seid Ihr?“ Die Frau sah sie stirnrunzelnd an, dann antwortete sie:
„Ich bin Delphine. Ich betreibe diese Taverne. Es ist meine Aufgabe Fremde im Blick zu behalten.“ Bei diesen Worten warf sie Finja einen berechnenden Blick zu. Diese zuckte unwillkürlich zusammen. „Ihr habt hier herumgeschnüffelt.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.
„Aber… Ich… Ich habe mich nur umgesehen. Ich bin neu in Himmelsrand, und ich war schon lange in keiner Taverne mehr. Wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann entschuldigt bitte.“ Sie sah etwas verzweifelt zu Delphine auf. Doch beim Anblick des verängstigten Mädchens wurde Delphines Gesicht plötzlich weich. Sie seufzte.
„Dann sei Euch verziehen. Im Krieg muss man wachsam sein, und jetzt, da Ulfric Sturmmantel den Kaiserlichen wohl entkommen ist, wird der Krieg nur noch schlimmer werden.“
„Woher wisst Ihr, dass er entkommen konnte?“, fragte Finja erstaunt.
„Nun, ich habe meine Quellen.“ Mit diesen Worten wandte sie sich wieder dem Tisch zu. Finja beobachtete sie noch einen Augenblick, dann verließ sie den Raum wieder. Sie bekam gerade noch mit, wie Orgnar zu einem Mann, der gerade hereingekommen sein musste, sagte:
„Keiner weiß, was die Diebe wollten.“ Der andere Mann grunzte als Antwort, nahm sich ein Bier und setzte sich an einen der Tische. Neugierig fragte Finja sofort:
„Was ist passiert?“
„Bei Lucan im Flusswald Handelskontor wurde neulich eingebrochen. Seltsamerweise wurde kaum etwas gestohlen.“, grummelte Orgnar.
„Warum denn das?“, fragte Finja verdutzt.
„Ich bin nur der Koch, Mädel. Ich bin nicht auf der Suche nach neuen Freunden!“, schnauzte er sie plötzlich an und wandte sich dem Bier zu.
Erschrocken und ein bisschen traurig verließ Finja die Herberge.

Fortsetzung folgt…

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *