Makarius mit Felix und Elise mit Gabriel

Teil 7: Zwei kleine Burellis

Mildred stieg aus ihrem Auto. Sie hatte es gerade in der Einfahrt von Elises Haus geparkt. Das heutige Treffen, genau ein Jahr nach dem letzten, fand bei Elise Zuhause statt. Das Haus sah mit seinem gelben Backstein und seinen roten Ziegeln genauso aus, wie alle anderen Häuser von Monte Vista. Sie stieg die Treppe zur Eingangstür hinauf und klingelte. Eine halbe Minute wartete sie, dann wurde die Tür von Elise geöffnet.
Im Arm trug sie einen kleinen Jungen, der auf seiner Faust herumlutschte. Er hatte braune Haare und die hellblauen Augen von Elise, vom Alter her zu deuten musste es Felix sein.
„Hallo Mildred. Komm doch herein.“, sagte Elise und lächelte Mildred zu. Der kleine Felix zog die Faust aus dem Mund und sagte:
„Hallo, hallo.“ Sie mussten lachen, dann trat Elise einen Schritt zurück, um Mildred vorbei zulassen.
„Hallo Elise. Und das muss wohl Felix sein.“, Mildred lächelte und ging durch die Tür. Sie stand in einem geräumigen Wohnzimmer. In der Mitte standen zwei Sofas und ein Sessel um einen Kaffeetisch angeordnet. Gegenüber der Tür stand ein großes Bücherregal. Vier weitere Türen gingen von diesem Raum ab.
„Setz dich bitte, ich mache uns einen Tee.“, sagte Elise und deutete auf die Sitzecke.
„Gerne. Vielen Dank.“, antwortete Mildred und nahm auf dem kleineren der beiden Sofas Platz, während Elise mit dem kleinen Felix durch die gegenüberliegende Tür in die Küche verschwand. Mildred zog ihren Notizblock hervor und einen Stift und sah sich dann erstmal im Raum um. Direkt an der Sitzgruppe stand ein Beistelltisch mit einer Lampe darauf. An der Wand zur Rechten, wo auch eine Tür abging hing ein großes Gemälde mit einer Elfe darauf, die in eine Trompete blies. Eine Babyschaukel stand links von ihr, aber ansonsten war der Raum verhältnismäßig kahl. An der linken Wand konnte man durch zwei breite Durchgänge in den angrenzenden Raum hineinsehen. Dort stand eine Haus-Bar.
Elise kam mit Felix zurück ins Wohnzimmer.
„Der Tee wird gleich fertig sein.“, sagte sie und setzte Felix auf dem Boden ab. „Bin gleich wieder da.“ Damit ging sie aus dem Zimmer. Der kleine Junge sah vergnügt zu Mildred auf und strahlte sie an. Sie musste lachen.
„Mama Teddy!“, sagte er ernsthaft. Mildred hatte keine Ahnung was er ihr sagen wollte. Sie hatte noch keine Erfahrung mit Kindern in seinem Alter gemacht.
Elise kam wieder ins Zimmer, im einen Arm ein Baby von ca. 3 Monaten und im anderen eine Kiste mit Spielzeug für Felix, darunter auch ein Teddybär. Das Spielzeug stellte sie auf dem Boden ab, und das Baby legte sie in die Schaukel, welche sie dann anmachte, sodass sie beständig schaukelte und ein Lied spielte. Dann verschwand sie schnell in die Küche um den Tee zu holen, während der kleine Felix sich den Teddybären geschnappt hatte und ihm Lieder vorsang und mit ihm redete. Das Baby gluckste und schaute mit seinen braunen Augen umher. Es musste sich um Gabriel handeln, Elises zweiten Sohn. Endlich nahm auch Elise Platz auf dem größeren Sofa und setzte den Tee auf dem Tisch ab. Sie seufzte.
„So, jetzt habe ich Zeit für dich. Die beiden Jungs halten mich ganz schön auf Trapp.“ Dabei lächelte sie.
„Süß sind die beiden. Und Felix redet ja schon.“, sagte Mildred.
„Ja, manchmal hört er gar nicht mehr auf mit dem Plappern. Bei Gabriel dauert das wohl noch ein bisschen. Delvin, der Kleine von Clara fängt gerade an mit dem Reden. Oh, und um alle Neuigkeiten gleich abzudecken, Dörte bekommt nun ebenfalls ihr zweites Kind.“, strahlte Elise. Dann verdüsterte sich ihre Miene. „Achja, und auch mein Onkel Alkan, ist in seinem Alter nochmal Vater geworden.“
„Ich weiß, die ganze Stadt spricht davon. Wie alt war er gleich noch?“, fragte Mildred.
„Onkel Alkan ist 66. Das ist doch sehr unvernünftig jetzt noch Kinder zu bekommen. Schon bei den Zwillingen war er 56 Jahre alt. Ich gönne ihm, dass er endlich eine Frau gefunden zu haben scheint, mit der er glücklich ist, aber er wird die kleine Norma-Jean wohl nicht aufwachsen sehen.“, sie schüttelte den Kopf, dann seufzte sie. „Aber lass uns von etwas anderem reden, das ist ja nicht mein Leben.
„Erzähl mir von deiner Ehe. Wie ist es jetzt, nachdem ihr zwei Jahre verheiratet seid?“, fragte Mildred.
„Oh, wir sind immer noch sehr glücklich.“ Jetzt lächelte sie wieder. „Makarius ist gerade auf der Arbeit. Er wurde befördert und hat jetzt eine Stelle als Koch. Da ist er zwar meistens am Wochenende weg, aber jetzt wo ich noch nicht wieder arbeite, haben wir trotzdem viel Zeit für unsere kleine Familie. Jeden Donnerstag machen wir einen Ausflug irgendwo hin. Letzten Donnerstag waren wir im Park. Da war das Wetter so schön.“
Elise erzählte noch sehr viel an diesem Nachmittag, aber ein Thema sprach sie nicht an: Den Tod ihres Vaters Edgar vor 4 Monaten. Bestimmt war dieser Verlust noch zu frisch.

Fortsetzung folgt…

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