Elise, Makarius und Felix

Teil 6: Ein kleines Bündel Glück

Mildred saß in dem kleinen Café Grand Espresso in der Innenstadt von Monte Vista und wartete darauf, dass Elise Burelli endlich zu ihrem zweiten Treffen auftauchen würde. Es war inzwischen schon mehr als ein Jahr her, dass sie sich das erste Mal getroffen hatten, kurz nach Elise’s Hochzeit.
Mildred dachte daran zurück, Elise hatte gestrahlt. Ihr ganzes Wesen hatte gezeigt, wie glücklich sie war. Frisch verheiratet, werdende Mutter und zufrieden mit ihrem Job im Theater. Mildred nahm einen Schluck aus ihrem Latte Macciato, während die Passanten draussen vor den Fenstern vorbeiliefen. Auch das letzte Mal war Elise zu spät gekommen, aber für so eine spannende Familiengeschichte würde Mildred noch viel mehr tun, als nur zu warten.
Das Glöckchen an der Tür klingelte, als diese geöffnet wurde. Elise kam herein, winkte Mildred kurz zu und bestellte sich dann ebenfalls ein Getränk, bevor sie auch an den Tisch kam. Das gab Mildred Zeit sie zu beobachten. Auch diesmal strahlte sie, die hellblauen Augen genauso wie ihr Gesicht. Aber sie sah auch erschöpft aus. Ihr Sohn musste gerade ein halbes Jahr alt sein, dass war bestimmt eine anstrengende Zeit.
Elise kam nun mit ihrem Cappuccino an den Tisch, sie lächelte Mildred an, und gab ihr die Hand zum Gruss. Mildred lächelte zurück.
„Hallo Elise. Schön dich wieder zu sehen. Wie geht es dir?“
„Hallo Mildred. Mir geht es super, auch wenn es heute bisher ein anstrengender Tag war. Felix war den ganzen Tag am rumquaken. Ich bin froh, dass Makarius gerade nach Hause gekommen ist und mich abgelöst hat. Mein Babysitter hat nämlich abgesagt, dann hätte ich wohl nicht kommen können.“
„Ja, meine Mutter hat schon immer gesagt, dass die Babysitter hier in Monte Vista nicht besonders verlässlich sind.“, sagte Mildred. Beide Frauen schüttelten den Kopf und seufzten.
Mildred fuhr sich mit der rechten Hand durch die kurzen braunen Haare und zog dann ihren Notizblock hervor.
„Wollen wir anfangen?“, fragte sie und lächelte Elise an. Diese nickte und fing an zu erzählen:
„Ja, es ist so viel passiert seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Die Zeit nach der Hochzeit bis zur Geburt war sehr ruhig, aber auch aufregend. Makarius und ich haben beide viel gearbeitet, irgendwie müssen die Rechnungen ja bezahlt werden. Ich weiß nicht mehr, ob ich es das letzte Mal erzählt habe, aber Makarius arbeitet ja in der Küche im Restaurant gegenüber,“ Elise deutete aus dem Fenster, „und ich bin ja am Theater tätig.“ Mildred nickte, dass wusste sie schon, dennoch machte sie sich einige Notizen.
„Was genau ist am Theater dein Job?“
„Ich bin momentan für den Ton zuständig. Soundeffekte, Musik und die Einstellung und Überwachung der Mikros während der Vorstellung. Aber man hat mir versichert, dass ich den Job des inzwischen sehr alten Komponisten bekomme, der die Musik für die eigenen Stücke schreibt, wenn er in Rente geht. Das ist ganz wunderbar!“ Ihre Freude darüber war nicht zu übersehen. Das letzte Mal hatte sie mir schon erzählt, dass das ihr größter Traum ist.
„Wow, Elise, herzlichen Glückwunsch!“
„Danke. Und das obwohl ich momentan nur halbtags arbeite wegen Felix. Und es wird ja auch bald noch weniger werden, weißt du schon, dass ich schwanger bin?“ Wenn es überhaupt ging strahlte sie bei dieser Ankündigung noch mehr. Mildred war verblüfft, sie wusste, dass in dieser Familie schon in der letzten Generation die Kinder schnell hintereinander gekommen waren, aber das es auch bei Elise so sein würde, konnte ja niemand ahnen.
„Uhi, also gleich nochmal: Herzlichen Glückwunsch!“
„Und das ist auch nicht die einzige Veränderung. Clara und Beppe haben einen Sohn bekommen. Der kleine Delvin ist jetzt gerade ein paar Wochen alt.“
„Ja, davon habe ich in der Zeitung gelesen. Eure Familie ist schon ziemlich gewachsen.“

Am Abend überblickte Mildred in ihrem kleinen Wohnzimmer ihre Notizen. Sie war schon gespannt, was Elise ihr beim nächsten Treffen zu erzählen hätte.

Fortsetzung folgt…

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