Teil 11: Spinnenbein und Bärenpelz

Sie wurden von den Spinnen eingekreist. Fünf waren es. Der Anblick ihrer langen, dünnen und behaarten Beine ließ Finja vor Ekel und Angst erstarren. Hadvar jedoch schrie:
„Ich werde euch töten!“, zog sein Schwert und schlug wild um sich. Zwei der Spinnen fielen diesem ersten Ansturm zu Opfer. Sie blieben liegen, Beine unter sich begraben.

Nun zog auch Finja ihr Schwert und stellte sich mit Hadvar Rücken an Rücken. Dann flog auf einmal etwas dicht an ihnen vorbei. Es kam von einer der Spinnen, die offensichtlich spucken konnte. Finja stürmte auf sie los und ließ das Schwert niedersausen. Der Chitinpanzer knackte, als das Schwert ihn traf. Die Spinne brach zusammen. Hadvar landete ebenfalls einen Treffer bei einer der anderen, sodass nur noch eine Spinne übrig war. Sie wich langsam nach hinten in den Raum zurück. Finja und Hadvar sahen sich missmutig an, wohl oder übel mussten sie auch weiter in den Raum hinein. Es waren überall Spinnenweben. Fast hatten sie die Mitte des Raumes erreicht, als sich etwas Riesiges und Dunkles auf sie herniederließ. Schreiend wichen sie zurück vor dieser Spinne, die größer war als ein Pferd. Fast schon majestätisch seilte sie sich ab, und landete auf dem Boden. Drohend richtete sie sich auf und kam auf sie beide zu, von der kleinen Spinne verfolgt. Hadvar machte Finja ein Zeichen, dann rannten beide mit erhobenem Schwert, von verschiedenen Seiten, auf die Spinne zu. Diese spuckte Stacheln, traf sie aber nicht. Sie schlugen sich zwischen den Beinen hindurch, erreichten den Rumpf und durchstachen ihn. Die Spinne kreischte, fiel zu Boden, ein Bein flog noch durch die Luft und dann war es still. Nach ein paar Sekunden war leises Tappen zu hören, als die kleine Spinne nun tatsächlich die Flucht antrat. Sie verschwand an der Decke zwischen den Spinnenweben.
Schnell gingen sie nun endlich durch den Raum und auf der anderen Seite ging tatsächlich ein Tunnel weiter.
„Was kommt den jetzt noch – Riesenschlagen?“ Hadvar sah wenig begeistert aus. Bevor sie in den Tunnel gingen warf Finja noch einen Blick zurück. Der Körper der riesigen, toten Spinne wurde von oben angestrahlt. Durch einen Schacht in der Decke, den sie in dem Durcheinander wohl nicht bemerkt hatten, kam Sonnenlicht herein. Finja seufzte, sie wäre jetzt gerne draussen an der frischen Luft, wo keine Riesenspinnen auf sie warten würden. Sie wurde aufgeschreckt von einem tiefen Grollen, was die Erde unter ihren Füßen erzittern ließ. Sie wandte sich wieder Hadvar zu, der sehr besorgt wirkte:
„Na los. Beeilt euch.“ Und so gingen sie in den Tunnel, der nach unten führte. Der Tunnel mündete an einen Flusslauf, dem sie folgten. Nach ein paar Minuten kam eine Brücke in Sicht, welche sie überquerten. Auf der anderen Seite gab es einen Überhang, auf dem ein Karren stand, der mit Kohl beladen war. Vor nicht allzu langer Zeit mussten also Menschen hier gewesen sein.
Plötzlich packte Hadvar sie am Handgelenk, brachte sie zum Stehenbleiben und sprach mit leiser Stimme:
„Halt. Direkt vor uns ist eine Bärin. Seht ihr sie?“ Er deutete mit der anderen Hand. Und Finja sah sie, ein Stück vor ihnen in der breiten Höhle. Sie lag da und schlief. Bei genauerem Hinhören konnte man sogar ein leises Grollen oder Knurren hören, welches sie hin und wieder ausstieß. „Mit der möchte ich mich jetzt lieber nicht anlegen. Vielleicht können wir uns an ihr vorbeischleichen. Immer schön langsam, und passt auf, wo ihr hintretet.“ Am äußersten Rand der Höhle schlichen sie sich an der Bärin vorbei. Für Finjas Geschmack immer noch viel zu nah. Ihr Mund war trocken, während sie das Stück vor ihren Füßen immer erstmal genau untersuchte, ob auch ja nichts dort lag, was beim Drauftreten Geräusche machen würde. Sie waren schon fast außer Sicht, als die Bärin plötzlich ein Brüllen ausstieß, welches sie beide zu Salzsäulen erstarren ließ. Finja warf einen Blick zurück, aber die Bärin stand mit dem Rücken zu ihnen, als Hadvar sie vorsichtig weiterschob, um die nächste Ecke herum. Der Tunnel machte eine Biegung und führte wieder nach unten. Dann folgte noch eine Biegung hinter der es heller wurde. Ihr Schritte beschleunigten sich.

Fortsetzung folgt…

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