Teil 9: Der geheime Fluchttunnel

Sie gingen auf den nächsten Gang zu, als der Folterer ihnen noch hinterherrief:
„Dort entlang gibt es keinen Ausgang.“ Doch sie ignorierten ihn. In die Wände des Ganges waren auf jeder Seite zwei Zellen eingelassen. Die Türen standen offen. In einer lag ein Skelett, und daneben ein Geldbeutel. Hadvar steckte ihn ein.
„Wir werden das Geld dringender benötigen als er.“, sagte er und nickte zum Skelett.

Der Gang ging um eine Kurve und es folgte ein weiterer Raum mit Käfigen, die von der Decke herunterhingen. Ein paar waren mit Skeletten gefüllt, aber in einem lag ein Sturmmantel, der noch nicht lange tot sein konnte. Finja versuchte so gut wie möglich den Blick auf den Boden gerichtet zu halten.
An der Rückseite des Raumes war ein Regal auf dem Boden zerschmettert worden. Es hatte wohl vor einem Tunnel gestanden, welcher nun freigelegt war. Dahinter führte ein Tunnel weiter. Vor Jahren hatte sich hier wohl mal jemand freigegraben. Der Tunnel wurde von großen Feuerschalen erhellt und die Decke war gerade hoch genug, damit Hadvar stehen konnte. Scheinbar hatte der Folterer keine Ahnung gehabt, dass hier ein Fluchttunnel lag. Aber irgendjemand hatte es gewusst und das Regal beiseite geworfen. Der Folterknecht murmelte ungläubig vor sich hin.
„Keine Sorge. Wir werden schon irgendwie hier herauskommen.“, sagte Hadvar aufmunternd.
Er ging voran, durch den Tunnel. Er war sehr lang, und schlängelte sich hin und her. Dann hörten sie von weit vor sich eine leise Stimme:
„Wo beim Reich des Vergessens sollen wir denn hin? Wo ist der Ausgang?“ Nun bewegten sie sich schleichend weiter. Der Gang mündete in einen großen Raum. Sie kamen auf einer kleinen Plattform raus. Von hier führte eine Brücke zu einer zweiten, und von dort ebenfalls mit einer Brücke zu einer dritten, großen Plattform. Die Plattformen waren in U-Form angeordnet. Es gab auch zwei Treppen, die auf eine tiefere Ebene führten, wo ein paar Säulen die Decke stützten.
Fünf Sturmmäntel hielten sich hier auf. Sie kamen offenbar den gleichen Weg wie sie und wussten nun nicht weiter. Sie griffen sofort an, als sie sie hörten. Drei kamen mit gezogenen Schwertern direkt auf sie zugelaufen. Finja, Hadvar und der Folterknecht beeilten sich auch ihre Waffen zu ziehen. Diesmal fühlte sich Finja besser in der Lage sich zu verteidigen, sie traute sich sogar selber einen Angriff durchzuführen, den der Sturmmantel zwar abblockte, aber es war immerhin ein Fortschritt. Wiedermal war Hadvar derjenige, der alles im Griff hatte. Doch plötzlich stürzte der Folterknecht mit einem lauten Aufschrei von der Plattform auf die untere Ebene und verstummte dann. Finja sah gerade noch, dass ein Pfeil aus seinem Hals ragte, da bekam sie selber einen ab. Er war zum Glück nicht gut gezielt. Er durchbohrte ihren Tornister und blieb dort stecken.
„Hadvar, sie haben Bögen!“, rief sie, während sie hinter eine Säule rannte. Es waren die fehlenden beiden Sturmmäntel, die auf der letzten Plattform standen und in aller Ruhe zielten.
Ihr Angreifer folgte ihr. Weiter wehrte sie seine Hiebe ab, versteckt hinter der Säule. Als der Sturmmantel dann aber die Schreie seiner Kollegen hörte, die Hadvar unterdessen fertigmachte, warf er einen Blick zurück. In diesem Moment schlug Finja zu. Sie traf ihn an der Hüfte und er jaulte auf vor Schmerz. Er stolperte zurück, doch in diesem Moment kam Hadvar von hinten und rammte ihm das Schwert durch die Brust. Finja drehte sich schnell um. Das wollte sie nun wirklich nicht sehen. Hadvar atmete schwer, vielleicht hätte er auch etwas gebraucht, um die Erschöpfung zu vertreiben.

Fortsetzung folgt…

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